Das Projekt
Menschen, gleich welchen Alters, welcher Hautfarbe, mit oder ohne Behinderungen sollen durch die Teilnahme an einem Band Camp die Möglichkeit erhalten, sich kreativ bzw. musikalisch mit ihrer Umwelt, ihrem Leben auseinanderzusetzen und diese Eindrücke und Erfahrungen zusammen mit anderen innerhalb einer Band ausdrücken, sodass ein authentisches Ergebnis in Form eigener Songs entsteht.
Im Anschluss an die Aufnahmen und die Proben werden die Songs im Rahmen eines kleinen Konzertes/einer Präsentation aufgeführt.
Die BAND CAMPS sind ein aufsuchendes Angebot. Mit einem Bulli, der sämtliches Equipment zur Durchführung eines Band Camps enthält, werden die Teilnehmer*innen in ihrer gewohnten Umgebung, beispielsweise an Förderschulen, an Regelschulen, in außerhalb gelegenen Wohngruppenverbünden etc.in ganz Westfalen bzw. Deutschland aufgesucht, um dort für die Zeit des Workshops Station zu beziehen. So kann ein Personenkreis erreicht werden, der oftmals aus Unerfahrenheit, Unsicherheit, teilweise aber auch aufgrund mangelnder Mobilität herkömmliche Angebote nicht aufsucht. Sich in ein Musikbandprojekt einzugliedern, erfordert viel Mut.
Wer kann mitmachen?
Mit dem Ziel der Erfahrung eines inklusiven Gemeinschaftserlebens richtet sich das Angebot an alle Menschen mit körperlichen, seelischen, geistigen oder Sinnesbeeinträchtigungen, mit Suchtmittelproblemen oder in besonderen sozialen Schwierigkeiten. Auch Menschen ohne Beeinträchtigungen, Probleme oder Schwierigkeiten sind willkommen. Keiner soll allein aufgrund seiner Beeinträchtigungen oder Lebensumstände ausgeschlossen werden.
Wie macht man eigentlich Musik? Wie geht das mit den anderen in der Band?
Bei den BAND CAMPS geht es im Grundsatz darum, sich und die anderen innerhalb einer Band ernst zu nehmen und sich gegenseitig in seinem individuellen Anderssein, ob mit oder ohne Behinderungen, gleich welcher Hautfarbe oder Alters, zu akzeptieren. Es geht um Inklusion und Gemeinschaft, innerhalb der Band gemeinsam und kreativ an etwas zu arbeiten, sich mit Gefühlen, negativ oder positiv auseinanderzusetzen und voneinander zu lernen. Ein Zusammenspiel als Band ermöglicht jedem Einzelnen, seinen Platz in dieser Gemeinschaft entsprechend seinem Charakter (eher wortführende/r Sänger*in oder eher stille/r Bassist*in) zu finden und aktiv zu gestalten. Es geht um Kommunikation, verbal oder non verbal. Die Teilnehmenden aus der oftmals vorherrschenden Passivität und Konsumhaltung herauszuholen und sie zur Eigenaktivität zu motivieren, ist oberstes Ziel. Dabei werden sie dort abgeholt, wo sie stehen und mit ihren Sorgen und Problemen ernst genommen. Es findet eine Begegnung auf Augenhöhe statt, mit dem Ziel, Ressourcen zu stärken. Mit den Möglichkeiten, die den Teilnehmenden während des Musik machens geboten werden, können sie von Dingen singen, die sie selbst erleben, die ihr wahres Leben ausmachen – ohne eine Kopie der Musiker zu sein, die sie aus den Medien kennen, frei nach dem Motto „Sei du selbst! Rock‘ drauf los! Schreib einen Song!“.
Wichtig ist, dass es für die Teilnehmer*innen nicht erforderlich ist, in irgendeiner Weise musikalische Vorerfahrungen mitzubringen, sondern dass sie sich diese Fähigkeiten mit Hilfe der Mitarbeiter*innen vor Ort aneignen können. Beim Musik machen geht es oft nicht um Noten oder andere theoretische Grundlagen, sondern vielmehr um einfache „Basics“ wie Klatschen, Stampfen, einen einfachen Rhythmus aufbauen und halten. Dabei kommen die Instrumente direkt zum Einsatz, da dies enorm motivationssteigernd ist. Das Zusammenspiel mit „echten“ Instrumenten und die sozialen Prozesse der Gruppenarbeit sind wichtige Aspekte des Vorhabens. Das Prinzip „Band“ bedeutet auf musikalischer wie auf sozialer Ebene eine Menge Konzentration und Feingefühl für die anderen Bandmitglieder, da man es natürlich mit mehr Menschen zu tun hat als mit sich selbst und somit auch immer wieder Kompromisse (was z.B. die Funktionen in der Band etc. betrifft) eingehen muss. Hier wird im „Mikrokosmos Band“ das Leben in einem spielerischen Prozess erfahren. Mit sämtlichen Höhen und Tiefen.
Innerhalb des kreativen Songprozesses konstruktive Kritik zu üben und andererseits auszuhalten, ist hierbei eine zentrale therapeutisch-pädagogische
Erfahrung. Die einzelnen Bandmitglieder müssen es aushalten, dass diese Kritik an ihnen geübt wird, sie müssen aber auch lernen, diese in angemessener Art und Weise zu üben, ohne gleich verletzend zu werden. Hierbei spielt das musikalisch- pädagogische Projekt-Personal eine wichtige Rolle, da bei aufkommenden Konflikten immer wieder vermittelt und der Prozess wieder in konstruktive und kreative Bahnen gelenkt werden muss. Die Arbeit an und das Ziel der Erstellung eines gemeinsamen Songs – auf den man im Nachhinein stolz sein kann – und damit ein gewisser Druck der sozialen Gemeinschaft ist dabei das Verbindungsglied. Außenseiter*innen können auf diese Weise wieder „mit ins Boot“ geholt werden, Einzelgänger*innen eine wesentliche soziale Erfahrung machen. Um dies alles nachhaltig zu lernen, bietet die Intimität einer Band einen förderlichen Bezugsrahmen.
Ablauf der BAND CAMPS
Ein Band Camp dauert, abhängig von der Homogenität bzw. der Unterschiedlichkeit, den individuellen Fähigkeiten und der Anzahl der jeweiligen Teilnehmer*innen / Gruppen drei bis fünf Tage. Hinsichtlich des Umfangs geht das Team auf die jeweiligen, individuellen Bedarfe ein.
Um beispielsweise an Schulen oder in größeren Einrichtungen möglichst vielen Schülern bzw. Personen zu ermöglichen, am Bandworkshop teilzunehmen, entstehen Bands mit bis zu zehn Teilnehmern.
Alle Bands durchlaufen die folgenden zehn Phasen eines Band Camps.
Die 10 Phasen eines BAND CAMPS
1. Kennenlernen
Lockeres Gespräch zu Themen, wie: Vorerfahrung mit Musik, Instrumente allgemein, musikalische Vorlieben (was ist meine Lieblingsmusik, welche Bands / Musiker / Musikrichtungen höre ich gerne) etc.
2. Instrumentenkarussel
Jede/Jeder Teilnehmer*in darf jedes Instrument ausprobieren, um sich ein Bild zu machen welchen „Part“ er/sie in der Band übernehmen möchte (Gitarrist, Sänger etc.).
3. Entscheidungen treffen
Welches Instrument möchte jeder spielen? Wie soll die Band heißen? Über welche Themen möchten die Sänger den Text schreiben? Was beschäftigt sie und muss unbedingt „zu Papier“ gebracht werden?
4. Rhythmusübungen in der Großgruppe
Um ein Gefühl füreinander zu entwickeln, werden in der Großgruppe verschiedene Rhythmus- und Stimmübungen (mit und ohne Gitarrenbegleitung) durchgeführt. Die Teilnehmer*innen sollen für sich herausfinden, in welcher Stimmlage sie sich wohlfühlen.
5. Aufteilung in Kleingruppen
Gruppenarbeit an den Texten, bzw. an der Musik in Begleitung jeweils eines Bandcoaches. Die Text- bzw. Songstruktur wird von den Kleingruppen entwickelt.
6. Zusammenführung der Kleingruppen
Gemeinsames Ausprobieren: passen Text und Musik zusammen? Was muss verändert werden?
7. Erarbeitung des Arrangements
Es werden Song-Proben für das Abschlusskonzert durchgeführt. Außerdem werden Coverfotos bzw. Einzelportraitfotos für die CD erstellt.
8. Aufnahme des Songs
Der/die Song/s werden mit Hilfe des mobilen Tonstudios aufgenommen.
9. Konzert
Im Rahmen eines kleinen Konzerts präsentieren die Bandmitglieder ihre, am Instrument oder am Mikrofon erarbeiteten Fähigkeiten in „Live“-Atmosphäre, indem sie den Song einem kleinen Publikum vertrauter Menschen vorführen.
10. Sich feiern lassen
Die entstandenen Songs werden im Nachgang an das Band Camp von den Projektmitarbeiter*innen gemixt, und die CD‘s mit individuell gestaltetem Cover, mit eigenem Bandnamen und Bandfoto werden fertiggestellt. Die Übergabe der CD‘s erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.
Langzeitprojekt ODER SO!
Die inklusive Band ODER SO! wird im Auftrag der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel von Mitgliedern des BAND CAMPS Teams gecoacht.
Die Band spielt seit Jahren Konzerte in ganz Deutschland, auf Festivals und Indoor-Konzerte.
Im September 2024 wurde ihr Debüt-Album "Jetzt oder nie!" veröffentlicht, und ist auf allen Plattformen zu streamen.